Golf und Gesundheit

Beim Abschlag ist der GGolf und Feldenkraisolfspieler auf sein Spiel konzentriert – den Ball, das Grün, die Atmung, Stellung der Füße und Kontrolle der Handgelenke.

Die Funktionalität und Koordination der Wirbelsäule in der Drehbewegung werden dagegen eher als selbstverständlicher Teil der Bewegung vorausgesetzt, obwohl die Wirbelsäule die Kraft aus den Füßen bis zu den Schultern und Armen überträgt und gerade die Drehung des Rumpfs einen der wesentlichen Bestandteile des Golfschwungs darstellt.

Eine wichtige Voraussetzung für einen gelungenen – und langfristig gesunden – Golfschwung ist eine funktional gut organisierte Bewegung der Wirbelsäule.

Eine Verbesserung dieser Funktion wird die Form eines Golfspielers entscheidend beeinflussen.
Wie gut bewegt und dreht also Ihre Wirbelsäule? Wie dreht sie überhaupt?

Die Drehbewegung der Wirbelsäule

Da die Halswirbelsäule Körper - Feldenkraiswährend eines Golfschlags funktional durch die Blickrichtung am aktiven Drehen gehindert wird, wird die Hauptbelastung der Drehung auf die Brust- und Lendenwirbelsäule übertragen.

Aus anatomischen Gründen ist die Lendenwirbelsäule allerdings kaum in der Lage, sich zu drehen (ihre Hauptaufgabe liegt in seitlichen und frontalen Streck- und Beugebewegungen). Im Vergleich zu den Drehbewegungen der Brustwirbel und der Rotation des Beckens aus der Hüfte scheint ihre Rolle in Drehungen vernachlässigbar – bis zum Auftreten von Einschränkungen und gesundheitlichen Problemen.
Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (insbesondere L1 und L5) können beim Golf bedeuten, dass die Lendenwirbelsäule im Schwung in Drehbewegungen gezwungen wird, zu denen sie anatomisch nicht in der Lage ist – in der Regel, weil andere Teile des Körpers sich an der Bewegung nicht ausreichend beteiligen.

Wichtig zu wissen: obwohl eine Einschränkung der Beweglichkeit der Brustwirbelsäule in Verbindung mit der körperlichen Herausforderung des Golfens Schmerzen im unteren Rücken verursachen können, treten in der Brustwirbelsäule in der Regel weder massive Schmerzen noch Bandscheibenvorfälle auf. (95% aller Bandscheibenvorfälle betreffen Hals- und Lendenwirbelsäule)

Was behindert die Bewegungsmöglichkeiten der Wirbelsäule?

1. Mangelndes Training
Lassen sich ihre Form und Leistung durch Training in dem gewünschten und erwarteten Maß steigern? Dann könnten sowohl allgemeiner Muskelaufbau als auch regelmäßiges Spielen – evtl. unterstützt von einem Pro und eine gute Technik ihre Leistung verbessern.

2. Krankheiten und akute Verletzung
Krankheiten sind nur zu einem vergleichsweise geringen Teil für Rückenbeschwerden verantwortlich. Bei 75-80% aller Rückenschmerzen lässt sich keine genaue organische Ursache zuschreiben. Selbst im MRT erkannte Bandscheibenvorfälle und Stenosen (Verengungen) können beschwerdefrei bleiben. Im Zweifelsfall gehen Sie allerdings besser kein Risiko ein.

3. Überlastung
Wenn Sie zu stark trainiert haben, oder unter sehr ungünstigen Witterungsbedingungen auf dem Platz waren, werden Sie es bei einer einseitigen Überlastung in der Regel unmittelbar nach dem Spiel, spätestens am nächsten Tag merken.
Langfristige Überlastung durch zu viel Ehrgeiz und ungewohnte Bewegungsabläufe ist – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – ein häufiger Grund für einen Leistungsabfall. Zu häufige Überlastung kann darüber hinaus zu Schon- und Abwehrhaltungen führen.

4. Verletzung
Auch scheinbar verheilte Verletzungen hinterlassen Spuren in unseren Körpern (hier: im Nervensystem) in Form von Schonhaltungen und Abwehrspannung. Diese reflektorischen Spannungen können durch Training nicht oder nur sehr schwer aufgehoben werden. Mehr noch: sie neigen unter starker Belastung dazu, sich im Zweifelsfall zu verstärken.
Jeder Schmerz und jede Überlastung trägt weiter zu ihrer Aufrechterhaltung bei.
Derartige Schonhaltungen bemerken Sie in der Regel durch einen Verlust von Flexibilität und Leichtigkeit (der oft fälschlicherweise als „natürliche Folge des Alterns“ eingestuft wird).
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter : Schmerz

5. Gewohnheit und Haltung
Viele Bewegungsmöglichkeiten, für die unser Nervensystem und Skelett sich im Lauf der Evolution entwickelt haben, werden in der Umwelt, in der wir leben, kaum noch gefordert.
Unsere Hauptorientierung ist nach vorne/unten gerichtet, durch das Sitzen auf Stühlen wird unsere Beckenboden- und Hüftmuskulatur nur unzureichend beansprucht, feinmotorische Fähigkeiten der Hände und Finger ersetzen die grobmotorischen Bewegungsmöglichkeiten von Arm und Schulter. Eine eher ungewohnte Bewegungsaktivität wie Golf, die gegen diese Gewohnheiten arbeitet, kann den Körper überlasten.
(Gleichzeitig macht genau diese Tatsache im positiven Fall Golf zu einem wundervollen Ausgleichssport)
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: 5 Gründe, warum Rückenschule nicht hilft 

6. Atem
Anhand seines relativ komplexen Aufbaus weist der Brustkorb ca. 100 – größtenteils kleine -Gelenke auf. Die meisten davon finden sich im Bereich der Wirbel und Wirbel-Rippengelenke. Einer der wichtigsten an den Bewegungen der Brustwirbelsäule beteiligten Muskeln ist das Zwerchfell, das ihren Körper quer durchzieht und an Rippen und der Wirbelsäule befestigt ist.
Der Atem ist an der Form und Bewegung der Brustwirbelsäule maßgeblich beteiligt.

Überlastung, Verletzung, Haltung und Atem lassen sich eventuell leichter nicht unmittelbar im Spiel oder Training, sondern durch eine andere Herangehensweise verbessern.

Training ohne Training?

Die Technik der Leistungssteigerung durch sanfte und grundsätzlich funktionale Herangehensweisen ist inzwischen selbst im Leistungssport verbreitet. Bereits vor einigen Jahren sorgte die Nachricht, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Yogastunden absolviert, für Schlagzeilen. Melinda Glenister, Tennis-Trainerin und Spezialistin für Bewegung und Technik in Wimbledon, setzt die Feldenkrais-Methode in ihrer Arbeit mit den Tennisprofis Pat Cash, Greg Rusedski und Mike Bryan ein.

Ich glaube, dass es falsch ist, Spieler während des Trainings kontinuierlich zu Höchstleistungen zu treiben. Das führt früher oder später zu einem Breakdown. Im Training der meisten Spieler fehlt etwas, und das ist körperliches Bewusstsein. Die unglaublichen Anforderungen, denen Spieler während eines Matchs gerecht werden müssen, verlangen von ihnen schneller, stärker, fitter zu sein, und sich über Schmerz und Unwohlsein hinwegzusetzen. Wenn bereits das Training sie über ihre Grenzen bringt, verlieren Sie den Bezug zu sich selbst und verlieren ihre Fähigkeit, für sich selbst zu sorgen.
In anderen Worten: Wenn sie sich über einen zu langen Zeitraum überfordern, werden sich sowohl die Leistung, als auch die Fähigkeit sich anzupassen und zu erholen zurückgehen. Die Spielfreude geht verloren.
Melinda Glenister

Auszug aus: http://www.body-equilibrium.co.uk/elite-tennis-article/

1 Comment

  1. Chris Waas
    18. September 2015

    Hallo Dore, gefällt mir gut deine golf und feldenkrais Seite . Beste Grüße Chris

    Antworten

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